Zur Bürgermeisterwahl am 15. November 2026 (mögliche Stichwahl am 29. November) hat der TV Windecken den drei Kandidaten zwei Fragen zu wichtigen sportpolitischen Projekten in unserer Stadt zukommen lassen.
Wie stehen die Bürgermeisterkandidaten zum SKWS und zu einer Leichtathletikanlage in Windecken?
Die Wahlprüfsteine des TV Windecken zur Bürgermeisterwahl 2026

- 28.10.2026
Alle drei Kandidaten wurden in gleicher Weise um eine Stellungnahme gebeten und haben fristgerecht sowie im vorgegebenen Umfang geantwortet. Die Veröffentlichung der Antworten erfolgt in alphabetischer Reihenfolge nach dem Familiennamen der Kandidaten. Mit der Veröffentlichung ist keine Wertung der Inhalte oder eine Wahlempfehlung verbunden.
1. Sport- und Kulturzentrum Willi Salzmann (SKWS)
Wie stehen Sie zur Idee des Sport- und Kulturzentrums Willi Salzmann (SKWS) und unter welchen Voraussetzungen würden Sie sich für seine Umsetzung einsetzen?
Andreas Bär: Der Idee eines Sport- und Kulturzentrums Willi Salzmann stehe ich weiterhin grundsätzlich positiv gegenüber. Es könnte die Trainingsbedingungen des TV Windecken verbessern, zusätzliche Kapazitäten für den Sport schaffen und zugleich die Willi-Salzmann-Halle als wichtigen Ort für Sport, Kultur und Begegnung weiterentwickeln. Deshalb habe ich das Vorhaben bislang konstruktiv begleitet und in Abstimmung mit dem TV Windecken zur Beratung in die politischen Gremien eingebracht. Besonders anerkennenswert und tatsächlich außergewöhnlich ist die Bereitschaft des TV Windecken, als Verein mehrere Millionen Euro in zusätzliche Sport- und Trainingsräume investieren zu wollen.
Angesichts der Bedeutung der Willi-Salzmann-Halle müssen vor verbindlichen Entscheidungen jedoch die berechtigten Fragen aus den politischen Gremien, der Vereinswelt und der Öffentlichkeit ernst genommen, transparent erörtert und verlässlich beantwortet werden. Dazu gehören insbesondere die künftigen Nutzungsmöglichkeiten der Willi-Salzmann-Halle für andere Vereine und die Bürgerschaft, die Zukunft der Gastronomie und eine klare Regelung der jeweiligen Rechte und Pflichten von TV Windecken und Stadt Nidderau am Gebäude.
Ebenso zu klären sind die bauliche und baurechtliche Umsetzbarkeit, die Investitions- und Folgekosten, die Finanzierung sowie das künftige Eigentums- und Betreibermodell. Angesichts der angespannten städtischen Haushaltslage muss sichergestellt sein, dass das Vorhaben dauerhaft tragfähig ist und für die Stadt keine unkalkulierbaren finanziellen Risiken entstehen.
Ich werde den begonnenen Prozess weiterhin konstruktiv begleiten und gemeinsam mit dem TV Windecken, den Windecker Vereinen, der Bürgerschaft und den politischen Gremien an einer tragfähigen und breit getragenen Lösung arbeiten. Ob und in welcher Form das Sport- und Kulturzentrum Willi Salzmann letztlich verwirklicht werden kann, lässt sich jedoch erst entscheiden, wenn die offenen Fragen geklärt sind und ein belastbares Gesamtkonzept vorliegt.
Jens Knobloch: Die Weiterentwicklung der Willi-Salzmann-Halle zu einem modernen Sport- und Kulturzentrum ist eine historische Chance für Nidderau. Ich begrüße das herausragende Engagement des TV Windecken, dieses visionäre Großprojekt voranzutreiben und erhebliche Eigenmittel einzubringen, ausdrücklich. Als Bürgermeister werde ich mich dafür einsetzen, dass dieses Vorhaben zügig, aber auf einem absolut rechtssicheren und wirtschaftlich soliden Fundament realisiert wird.
Für eine verlässliche Umsetzung sehe ich vier zentrale Voraussetzungen:
1. Wirtschaftlichkeit und Variantenprüfung: Die vom Ausschuss für Stadtentwicklung (SIK) im September 2026 beschlossene, ergebnisoffene Prüfung der Varianten (Sanierung, Anbau oder Neubau) muss zügig abgeschlossen werden. Ziel muss ein langfristig tragfähiges Betreibermodell sein, das die Stadt vor unkalkulierbaren Folgekosten schützt.
2. Verknüpfung mit der energetischen Sanierung: Die Stadt verfügt bereits über einen Sanierungsfahrplan für das Bestandsgebäude. Die Pläne des Vereins müssen zwingend mit den ohnehin notwendigen energetischen Modernisierungen verschmolzen werden, um Synergien optimal zu nutzen und Steuergelder effizient einzusetzen.
3. Rechtssichere Verträge und Eigentumsverhältnisse: Aufgrund historischer Bezugspunkte müssen alle Grundstücksfragen und städtebaulichen Verträge (z. B. Erbpachtregeln) im Vorfeld absolut widerspruchsfrei geklärt sein. Ein geordnetes, vergabekonformes Verfahren schützt sowohl die Stadt als auch den Verein.
4. Transparente Bürger- und Vereinsbeteiligung: Die Willi-Salzmann-Halle ist das Herzstück unseres gesellschaftlichen Lebens. Die Planungen müssen transparent und unter fairer Einbindung aller anderen Nutzergruppen, Kulturvereine und der ansässigen Gastronomie erfolgen.
5. Ich stehe für eine lösungsorientierte Partnerschaften auf Augenhöhe. Mein Ziel ist es, nach der Wahl gemeinsam mit dem TV Windecken die Planungen zu konkretisieren, Fördermittel von Bund und Land maximal auszuschöpfen und ein Leuchtturmprojekt zu schaffen, das die Sport- und Kulturlandschaft Nidderaus für Jahrzehnte zukunftsfest macht.
Phil Studebaker: Die Idee eines Sport- und Kulturzentrums Willi Salzmann halte ich grundsätzlich für sinnvoll. Der TV Windecken leistet seit Jahrzehnten hervorragende Arbeit und hat mit seinen bisherigen Planungen viel Engagement und Eigeninitiative bewiesen.
Das verdient Anerkennung.
Als aktiver Sportler und jemand, der viele Jahre im Leistungssport gearbeitet hat, weiß ich, wie wichtig geeignete Räumlichkeiten für einen funktionierenden Trainingsbetrieb und die Weiterentwicklung eines Vereins sind.
Der Wunsch nach zusätzlichen Sportflächen ist deshalb für mich absolut nachvollziehbar.
Gleichzeitig müssen wir die finanzielle Realität unserer Stadt berücksichtigen. Angesichts der angespannten Haushaltslage können wir nicht jedes wünschenswerte Projekt sofort verwirklichen.
Als Bürgermeister muss ich Prioritäten setzen und darauf achten, dass Investitionen möglichst vielen Menschen zugutekommen.
Für eine Umsetzung des SKWS müssten deshalb folgende Voraussetzungen erfüllt sein:
• Ein wirtschaftlich tragfähiges Konzept mit nachvollziehbaren Bau- und langfristigen Betriebskosten.
• Die Prüfung kleinerer, kostengünstigerer Varianten und einer schrittweisen Realisierung.
• Die konsequente Nutzung möglicher Förderprogramme.
• Eine verbindliche und angemessene finanzielle Eigenbeteiligung des Vereins, beispielsweise durch Eigenmittel, Sponsoren oder andere Finanzierungsbausteine.
• Ein Nutzungskonzept, das die Interessen anderer Vereine und kultureller Veranstaltungen berücksichtigt.
Ich würde mich dafür einsetzen, gemeinsam mit dem TV Windecken und weiteren Beteiligten eine realistische Lösung zu entwickeln.
Allerdings sehe ich bei der derzeitigen Haushaltslage zunächst eine höhere Priorität bei der Modernisierung des Windecker Sportfeldes. Eine kombinierte Leichtathletikanlage mit Kunstrasenplatz könnte von mehreren Vereinen, Schulen und möglicherweise auch der Feuerwehr genutzt werden und damit einen besonders breiten Mehrwert schaffen.
Mein Grundsatz lautet: Wir müssen in Nidderau wieder stärker danach entscheiden, was notwendig, finanzierbar und für möglichst viele Menschen sinnvoll ist.
Das SKWS bleibt für mich eine interessante Zukunftsperspektive, die ich konstruktiv begleiten würde. Eine feste Realisierungszusage wäre zum jetzigen Zeitpunkt jedoch nicht seriös.
2. Leichtathletikanlage in Windecken
Wie stehen Sie zur Möglichkeit, auf dem städtischen Sportfeld in Windecken eine wettkampffähige Leichtathletikanlage zu errichten?
Andreas Bär: Einleitend möchte ich den Hintergrund und aktuellen Stand dieses Projekts darlegen: Die Nidderauer Stadtverordnetenversammlung hat auf gemeinsamen Vorschlag des TV Windecken und der Sportfreunde Windecken im Rahmen des Konzepts "Sportstadt Nidderau" Ende 2022 einstimmig beschlossen, am Windecker Sportfeld eine kombinierte Anlage für Fußball und Leichtathletik mit Kunstrasenplatz und 400-Meter-Rundbahn entwickeln zu wollen. Die Realisierung dieses Projekts würde nach grober Schätzung rund drei Millionen Euro erfordern. Angesichts der derzeitigen Haushaltslage ist eine Umsetzung jedoch momentan nicht absehbar. Absichten der politischen Fraktionen, aufgrund der veränderten Rahmenbedingungen die beschlossene Zielsetzung zu ändern, sind mir nicht bekannt. Solange dieser Grundsatzbeschluss besteht, haben Magistrat und Verwaltung das Projekt in der derzeitigen Form weiterzuverfolgen.
Unabhängig von der geltenden Beschlusslage halte ich persönlich eine solche kombinierte Anlage auch inhaltlich für sinnvoll: Eine vergleichbare wettkampffähige Leichtathletikanlage gibt es bislang nicht in Nidderau. Sie würde daher eine Lücke in der Sportinfrastruktur schließen, Fußball und Leichtathletik an einem Standort verbinden und Trainingsmöglichkeiten für leistungsorientierte Leichtathletik schaffen. Von einer solchen Anlage könnten neben den Sportfreunden Windecken und dem TV Windecken auch weitere Vereine profitieren.
Die Sportfreunde Windecken haben zwischenzeitlich vorgeschlagen, aufgrund der finanziellen Lage der Stadt den bestehenden Hartplatz unabhängig von der Laufbahn in einen Kunstrasenplatz umzuwandeln. Den Wunsch nach besseren ganzjährigen Trainingsbedingungen kann ich im Hinblick auf die erfolgreiche Kinder- und Jugendarbeit der Windecker Sportfreunde gut nachvollziehen. Eine reine Umwandlung würde jedoch aufgrund der räumlichen Gegebenheiten die Errichtung der geplanten 400-Meter-Bahn und damit die geplante kombinierte Anlage für Fußball und Leichtathletik unmöglich machen. Eine Modernisierung des bestehenden Hartplatzes in einen Kunstrasenplatz wäre daher eine grundlegende Änderung der beschlossenen Pläne für das Windecker Sportfeld, über die nur die Stadtverordnetenversammlung entscheiden kann.
Im Hinblick auf den nachvollziehbaren Wunsch der Sportfreunde Windecken nach besseren Trainingsbedingungen für die Jugend rege ich daher bis zur Modernisierung des Windecker Sportfelds eine engere Zusammenarbeit der Nidderauer Fußballvereine an: In Eichen, Ostheim und Heldenbergen sind zwischenzeitlich mit einem städtischen Investitionsvolumen von rund zwei Millionen Euro drei neue Kunstrasenplätze entstanden. Kooperationen in der Jugendarbeit, abgestimmte Trainingszeiten und faire Nutzungsvereinbarungen könnten helfen, vorhandene Kapazitäten besser auszuschöpfen und alle Vereine im bestmöglichen Rahmen zu unterstützen.
Jens Knobloch: Eine wettkampffähige Leichtathletikanlage auf dem städtischen Sportfeld in Windecken wäre ein enormer Gewinn für den Sportstandort Nidderau. Sie würden nicht nur dem TV Windecken hervorragende neue Trainings- und Wettkampfoptionen bieten, sondern auch den umliegenden Schulen für den Sportunterricht sowie dem Breitensport insgesamt zugutekommen. Daher stehe ich
diesem Vorhaben grundsätzlich sehr positiv gegenüber.
Um aus dieser guten Idee ein realisierbares Projekt zu machen, müssen wir das Vorhaben im Rahmen unseres integrierten Sportentwicklungsplans betrachten und folgende Schritte konsequent gehen:
1. Fundierte Bedarfs- und Machbarkeitsanalyse: Im ersten Schritt müssen die genauen technischen Anforderungen an eine wettkampffähige Anlage (z. B. Laufbahnen, Sprunganlagen) mit den realen Platzverhältnissen und Lärmschutzvorgaben vor Ort abgeglichen werden.
2. Konsequente Fördermittelakquise: Ein solches Infrastrukturprojekt erforderte erhebliche Investitionen. Als Bürgermeister werde ich die einschlägigen Sportstättenförderprogramme des Landes Hessen (wie „Sportland Hessen“) und des Bundes gezielt abklären, um die finanzielle Belastung für den städtischen Haushalt so gering wie möglich zu halten.
3. Kooperatives Nutzungskonzept: Die Anlage muss so geplant werden, dass sie maximale Synergien ermöglicht. Ein abgestimmtes Nutzungskonzept zwischen dem TV Windecken, anderen Nidderauer Vereinen und den lokalen Schulen stellt sicher, dass die Anlage optimal ausgelastet wird und eine breite gesellschaftliche Akzeptanz erfährt.
Ich werde mich dafür einsetzen, dass wir uns zeitnah mit allen an einen Tisch setzen, um die Rahmenbedingungen für die Leichtathletikanlage zuverlässig abzustecken. Eine moderne Sportinfrastruktur ist gelebte Gesundheitsförderung und stärkt das soziale Miteinander in unserer Stadt.
Phil Studebaker: Die Errichtung einer wettkampffähigen Leichtathletikanlage in Kombination mit einem modernen Kunstrasenplatz gehört für mich zu den sinnvollsten Sportinvestitionen, die wir in Nidderau derzeit prüfen können.
Besonders erfreulich finde ich, dass der TV Windecken und die Eintracht Sportfreunde Windecken bereits gemeinsam an einem entsprechenden Konzept arbeiten. Hier zeigt sich, was entstehen kann, wenn Vereine miteinander statt nebeneinander planen.
Als aktiver Jugendfußballtrainer kenne ich die Situation auf unseren Sportplätzen aus der Praxis. Gerade im Herbst und Winter stoßen Naturrasenplätze an ihre Belastungsgrenzen. Ein Kunstrasenplatz könnte die Nutzbarkeit deutlich verbessern und mehr Planungssicherheit für Training und Spielbetrieb schaffen.
Eine moderne 400-Meter-Laufbahn mit entsprechenden Leichtathletikeinrichtungen würde gleichzeitig den Trainings- und Wettkampfbetrieb des TV Windecken nachhaltig stärken.
Der entscheidende Vorteil liegt für mich jedoch in der gemeinsamen Nutzung. Von einer solchen Anlage könnten neben den beiden Windecker Vereinen auch weitere Sportvereine, unsere Schulen und die Feuerwehr profitieren.
Besonders die Bertha-von-Suttner-Schule mit ihrer gymnasialen Oberstufe könnte zusätzliche Möglichkeiten für den Schulsport erhalten. Auch für unsere Feuerwehren, insbesondere die Jugendfeuerwehr, könnten sich interessante Möglichkeiten für sportliche Übungen, Fitness und Training ergeben.
Damit investieren wir nicht nur in zwei Vereine, sondern in eine vielseitige Sportinfrastruktur, die Kindern, Jugendlichen, Erwachsenen und unseren ehrenamtlichen Einsatzkräften zugutekommen könnte.
Für die Umsetzung brauchen wir eine realistische Kostenplanung, Fördermittel und eine angemessene finanzielle Beteiligung der nutzenden Vereine. Auch den Main-Kinzig-Kreis als Schulträger möchte ich frühzeitig in die Gespräche einbeziehen und mögliche Beteiligungen prüfen.
• Ich würde mich als Bürgermeister dafür einsetzen, dieses gemeinsame Projekt vorrangig weiterzuentwickeln und einen konkreten, finanzierbaren Umsetzungsplan aufzustellen.Auch hier müssen folgende Dinge gelten: Ein wirtschaftlich tragfähiges Konzept mit nachvollziehbaren Bau- und langfristigen Betriebskosten.
• Die Prüfung kleinerer, kostengünstigerer Varianten und einer schrittweisen Realisierung.
• Die konsequente Nutzung möglicher Förderprogramme.
• Eine verbindliche und angemessene finanzielle Eigenbeteiligung des Vereins, beispielsweise durch Eigenmittel, Sponsoren oder andere Finanzierungsbausteine.
• Ein Nutzungskonzept, das die Interessen anderer Vereine und Veranstaltungen berücksichtigt.
Lieber eine durchdachte Sportanlage, die viele Menschen nutzen können und die wir tatsächlich realisieren, als mehrere große Projekte, für die am Ende das Geld fehlt.















