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Zwischen Gold und Gegenwind

von Marvin Müller

Bei drei Wettkampf-Wochenenden war der TV Windecken bei den Hessischen Meisterschaften der Leichtathletik vertreten.

Den Anfang machten die Jungs der Altersklasse M14. An einem sonnigen Samstagmittag im Mai in Darmstadt traten Niels Weeber und Lias Streisel im Sprint über 100m an. Für Niels war es der erste offizielle Wettkampf über diese Distanz. Mit einer Zeit von 13,46s macht er eine neue Wettkampferfahrung, schaffte es jedoch nicht, sich für den Zwischenlauf zu qualifizieren. Sein Freund Lias konnte direkt im Ersten von drei Läufen mit einer Zeit von 12,34s eine neue persönliche Bestleistung erreichen. Im Finale verpasste er mit einem zeitlichen Abstand von sechs Hundertsteln zum Vordermann nur knapp eine Medaillenposition.

Was unsere Jungs wirklich drauf haben, sollte sich jedoch am zweiten Wettkampftag zeigen. Gerade mit dem Warm-Up begonnen, erreichte uns eine Unwetterwarnung. Aus Sicherheitsgründen hat der Veranstalter alle laufenden Wettbewerbe auf unbestimmte Zeit unterbrochen. Trotz der Ungewissheit, wann und vor allem ob der Wettkampf fortgeführt werden könnte, blieben unsere Athleten cool. Fast anderthalb Stunden plagten uns Regen, Blitz und Donner, bis wir wieder auf den Sportplatz konnten. Dann ging alles ganz schnell: Aufwärmen, Callroom und schon saßen die Jungs im Startblock. Mit zwei guten Läufen qualifizierten sich beide nicht nur für den Endlauf, sondern erreichten auch die Norm für die Süddeutschen Meisterschaften. Lias und Niels schafften es beide im Finale ihre Zeiten nochmals zu verbessern. Mit 12,44s über die Hürdendistanz von 80m sicherte sich Niels Rang fünf. Einen phänomenalen Hessenmeistertitel erreichte Lias mit einer Zeit von 11,61s!

Springen kann Lias. Das beweist sein Hessischer Hallenmeistertitel im Weitsprung aus der vergangenen Wintersaison. Nun wollte er sich im Dreisprung versuchen. Da diese Disziplin erst für die Altersklasse M15 angeboten wird, musste Lias „hoch starten“. Als jüngster Athlet im Feld legte er gleich im ersten Versuch mit einer gesprungenen Weite von 10,94m vor. Doch hier sollte noch nicht Schluss sein. Gleich im zweiten Versuch, mit dem Rhythmus „Links-Links-Rechts“, legte Lias eine Weite von 11,67m zurück. Dieses Ergebnis sicherte ihm einen weiteren Hessenmeistertitel. Ein ungültiger sechster, aber visuell noch weiterer Sprung, zeigte, dass er sogar noch mehr Potenzial zum entfalten hat und definitiv noch eine Zukunft im Dreisprung haben wird!

Am nächsten Wochenende ging es für die Athletinnen Leonie Gauglitz und Ella Schubert sowie ihrem Trainer Marvin Müller nach Fulda. Im Sprint über 100 Meter konnte sich Leonie für den Finallauf qualifizieren. Dort verbesserte sie ihre Zeit um ganze 0,2s. Mit einem Endergebnis von 12,89s verfehlte sie nur knapp ihre persönliche Bestleistung. Im Hürdensprint wollte sich Leonie nun von ihrer besten Seite zeigen. Die 10 Hürden auf 100m legte sie bereits einen Monat zuvor in Kassel zurück. Mit einer starken Zeit von 15,75s kam sie als Dritte ihres Vorlaufs ins Ziel und verbesserte ihre Zeit aus Kassel. Dieses Ergebnis sicherte ihr auch das Ticket für das Finale. Trotz starkem Gegenwind sprintete Leo ehrgeizig über die Hürden. Sie zeigte nicht nur eine saubere technische Ausführung, sondern auch einen sportlichen Kampfgeist. Mit einer nochmals verbesserten Zeit von 15,56s sicherte sie sich souverän die Bronzemedaille!

Mit ihrem Hochsprungergebnis konnte sich Ella nicht zufrieden geben. Dafür wollte sie am Wettkampfsonntag doppelt so viel Energie in ihren Speer stecken. Seit einigen Monaten schon versuchte sie die 40-Meter-Marke zu knacken. Gleich mit dem ersten Wurf erzielte Ella eine Weite, die sie sicher in den Endkampf bringen sollte. Aber mit 35m fehlt noch ein gutes Stück zu ihrem Ziel. Für so einen Wurf braucht es neben Wurfkraft vor allem eine kontrollierte Technik. Nach dem rhythmischen Anlauf und einem Stemmschritt muss der 500g-Speer in einer peitschenden Bewegung abgeworfen werden. Und genau diesen Ablauf zeigte Ella in ihrem vierten Versuch. 40,66m flog ihr Speer über den Rasen! Ein Top-Ergebnis, doch ihre Konkurrentin zog mit einer Weite von 42m gleich nach. Aber unsere windecker Athletin wollte sich noch nicht geschlagen geben. Direkt im nächsten Versuch katapultierte Ella das Wurfgerät auf eine Weite von 42,69m. Diese phänomenale Leistung garantierte ihr den Hessenmeistertitel und die Qualifikation für die Süddeutschen Meisterschaften in Koblenz.

Bei den Hessenmeisterschaften im Blockmehrkampf müssen Athleten fünf fest zugeordnete Disziplinen aus einem „Block“ absolvieren. Die beiden Freunde Niels und Lias entschieden sich für die Schwerpunktsetzung „Sprint/Sprung“. Auch Maria Romano und Finn Petersen aus der Altersklasse U14 entschieden sich „Sprint/Sprung“, statt „Wurf“ oder „Lauf“. Damit standen für alle folgende Disziplinen auf der Tagesordnung: 100m-Sprint, Hürdensprint, Weitsprung, Speerwurf und Hochsprung.

Finn trat am Samstag der dritten Meisterschaftswoche als einziger unserer Athleten an und machte sich mit seiner Trainerin Beate Schubert auf den Weg nach Stadtallendorf. Für den Jüngsten der vier war es ein Wettkampf mit durchweg starken Leistungen. Trotz schwieriger Windverhältnisse, konnte er in jeder der fünf Disziplinen eine persönliche Bestleistung aufstellen. Im 75m-Sprint erreichte Finn mit genau 10,00s die schnellste Zeit aus seinem Block. Mit einem Gesamtergebnis von 2.294 Punkten konnte er eine Silbermedaille stolz nach Hause bringen.
Auch Lias sicherte sich den zweiten Platz samt Silbermedaille. In allen fünf Disziplinen erzielte er solide Ergebnisse. Das anvisierte Ziel der Landeskader-Norm im Weitsprung von 5,80m verfehlte er leider um 23cm. Doch Lias möchte auch bei den kommenden Wettkämpfen weiter motiviert am Ball bleiben.  Mit zwei persönlichen Bestleistungen hatte auch Maria einen erfolgreichen Mehrkampf. Nach einem langen Wettkampftag und einer Verspätung im Zeitplan von fast zwei Stunden, schaffte es Maria auch noch um 18 Uhr eine Bestleistung zu werfen. 16,21m beförderte sie den Speer über den Rasen. Unter zwölf Athleten erreichte Niels den sechsten Platz. Gleich vier persönliche Bestleistungen erreichte er im Hürdensprint, Weit- und Hochsprung sowie im Speerwurf. Letzteres war definitiv sein Höhepunkt des Tages. Nach drei ungültigen Versuchen im letzten Wettkampf, konnte Niels nun endlich sein Können beweisen. Mit geworfenen 32,99m war er Disziplinenbester in seinem Block!

Vier Windecker Athleten erbrachten dieses Jahr starke Qualifikationsleistungen für die Süddeutschen Meisterschaften. Ella Schubert konnte im Speerwurf beweisen, dass sie es schafft die 40-Meter-Marke im Speerwurf konstant zu werfen. Dafür hat sich die Reise nach Koblenz gelohnt. Mit einer Weite von 41,37m verpasste sie nur haarscharf die Bronzemedaille. Für Leonie, Niels und Lias sollte es eine Woche später nach Kitzingen in Bayern gehen. Aufgrund der Hitzewarnung wurde der Wettkampf abgesagt. Frustriert, aber mit Verständnis für die Sicherheit der Athleten und Kampfrichtern, mussten unsere Sportler zu Hause bleiben.

Als Trainer und Verfasser dieses Artikels bin ich unglaublich stolz auf meine Athletinnen und Athleten. Sie sind nicht nur hoch motiviert und leistungsstark, sondern gehen ihren Weg mit großer Freude und einer Begeisterung für die Leihtathletik. Ihr Teamgeist zeigt sich bei jedem Wettkampf aufs Neue: Sie feiern goldene Erfolge miteinander und unterstützen sich bei Gegenwind. Ich freue mich auf viele spannende Momente im Rest der Saison.

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